Schichtarbeit in der Industrie: Konti, Bewilligungen und Modelle

Zuletzt aktualisiert am 24. October 2026

In der Industrie gelten die Grundregeln des Arbeitsgesetzes ohne Branchenerleichterung: 45 Stunden Höchstarbeitszeit, Nachtarbeit nur mit Bewilligung, im Dreischichtbetrieb vorgeschriebene Vorwärtsrotation. Wer rund um die Uhr produziert, braucht zusätzlich eine Bewilligung für den ununterbrochenen Betrieb.

📋 Kurz zusammengefasst

Industrielle Betriebe unterstehen keiner Sonderbestimmung der Verordnung 2. Daraus folgen drei Pflichten, die Spitäler und Gastbetriebe nicht haben: eine Bewilligung für Nacht- und Sonntagsarbeit, die Einreichung des konkreten Schichtplans im Gesuch und die Einhaltung der Grundregeln für Schichtdauer und Rotation. Im Gegenzug gilt eine tiefere Höchstarbeitszeit von 45 Stunden. Im ununterbrochenen Betrieb kommen mindestens 61 Ruhetage im Jahr hinzu, davon 26 Sonntage.

Welche Betriebsformen gibt es?

Drei Grundformen decken den grössten Teil der industriellen Schichtarbeit ab:

  • Zweischicht — Früh und Spät innerhalb des Tagesrahmens, ohne Nachtarbeit und damit ohne Bewilligung, solange beide Schichten zusammen innerhalb von 17 Stunden liegen.
  • Teilkonti — Früh, Spät und Nacht an Werktagen, Stillstand am Wochenende. Bewilligung für Nachtarbeit nötig, keine für Sonntagsarbeit, solange die letzte Schicht vor Samstag 23 Uhr endet.
  • Vollkonti — Betrieb rund um die Uhr an sieben Tagen. Bewilligung für den ununterbrochenen Betrieb nötig.

Die Begriffe Teilkonti und Vollkonti sind Branchensprache; rechtlich entscheidet, ob Nacht- und Sonntagsarbeit anfällt. Mehr dazu unter Vollkonti oder Teilkonti.

Welche Bewilligungen braucht es?

Für vorübergehende Nachtarbeit bei dringendem Bedürfnis ist der Kanton zuständig, für dauernde oder regelmässig wiederkehrende Nachtarbeit wegen Unentbehrlichkeit das SECO. Das Gesuch läuft über EasyGov und soll mindestens acht Wochen vor Beginn eingereicht werden.

Bewilligt wird das konkrete Modell. Beim ununterbrochenen Betrieb gehört das Schichtmodell als Excel-Datei nach SECO-Vorlage zum Gesuch. Wer den Plan ändert, braucht eine angepasste Bewilligung. Einzelheiten unter Wann braucht Nachtarbeit eine Bewilligung?

💡 Expert Insight

Dass der Schichtplan Teil des Gesuchs ist, macht die Industrie zur Branche mit den am stärksten geprüften Plänen. Das hat einen praktischen Vorteil, der selten gesehen wird: Ein bewilligter Plan hat eine Prüfung hinter sich, die Ruhezeit, Schichtdauer und Rotation abdeckt. Wer ein Modell ändern will, sollte das als Chance nutzen — die Begründung für das SECO zwingt dazu, genau die Fragen zu beantworten, die auch die Belegschaft stellen wird.

Welche Regeln gelten für den Schichtplan?

Schichtdauer. In drei- und mehrschichtigen Systemen höchstens zehn Stunden einschliesslich Pausen; in zweischichtiger Tagesarbeit höchstens elf.

Rotation. In Systemen mit drei oder mehr Schichten, in denen alle Lagen durchlaufen werden, hat der Wechsel vorwärts zu erfolgen — von Früh über Spät zu Nacht. Rückwärts nur, wenn die Mehrheit der Betroffenen schriftlich darum ersucht.

Sechs Wochen. Niemand darf länger als sechs Wochen ununterbrochen in derselben Schicht arbeiten; der Nachtanteil darf den Tagesanteil grundsätzlich nicht übersteigen.

Zwölf Stunden. Im ununterbrochenen Betrieb zwischen Freitagabend und Montagmorgen zulässig, wenn zwei Stunden Pause gewährt werden. Von Montag bis Freitag gelten dort höchstens neun Stunden Arbeit innerhalb von zehn Stunden; Zwölfstundenschichten unter der Woche sind im ununterbrochenen Betrieb nicht zulässig.

Was gilt im ununterbrochenen Betrieb zusätzlich?

Die wöchentliche Höchstarbeitszeit darf im Durchschnitt von 16 Wochen nicht überschritten werden. Vorgeschrieben sind mindestens 61 wöchentliche Ruhetage je Kalenderjahr, davon 26 an einem Sonntag; spätestens nach sieben Tagen ist eine Ruhezeit von 24 Stunden zu gewähren. In der Regel braucht es mindestens vier Schichtgruppen.

Wie sich diese Vorgaben auf die Zahl der freien Wochenenden auswirken, zeigen die Schichtplan-Vorlagen: Mit Achtstundenschichten an sieben Tagen bleibt bei vier Gruppen höchstens ein ganz freies Wochenende in vier Wochen; mit Zwölfstundenschichten am Wochenende sind zwei möglich.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Viele Industriebetriebe unterstehen einem Gesamtarbeitsvertrag mit eigenen Regeln zu Arbeitszeit, Zuschlägen und Schichtzulagen. Diese gehen vor, soweit sie die Arbeitnehmenden besserstellen. Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

💬 Meine Einschätzung

Das ist die Branche, die ich aus 17 Jahren Teamleitung in einem Produktionsbetrieb in der Schweiz kenne — mit Plänen aus den SECO-Vorlagen und eigenen Modellen, die eingereicht und genehmigt wurden. Meine Einschätzung: Das Bewilligungsverfahren wird oft als Bürokratie empfunden, aber es ist das Einzige, was einen Plan zwingt, vor dem Start durchgerechnet zu werden. Mir war dabei immer die Zahl der freien Wochenenden am wichtigsten — und die Zwölfstundenschicht am Wochenende ist in der Industrie das wirksamste Mittel, sie zu erhöhen.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Industrie: keine Branchenerleichterung, 45 Stunden Höchstarbeitszeit.
  • Nachtarbeit nur mit Bewilligung; bewilligt wird der konkrete Schichtplan.
  • Dreischicht: höchstens 10 Stunden je Schicht, Vorwärtsrotation vorgeschrieben.
  • Rundumbetrieb: eigene Bewilligung, 61 Ruhetage und 26 freie Sonntage im Jahr.
  • Zwölfstundenschichten im Rundumbetrieb am Wochenende mit 2 Stunden Pause zulässig.

Typische Industriemodelle als Plan

Zwei Musterpläne des SECO für den Rundumbetrieb: mit Achtstundenschichten und mit Zwölfstundenschichten am Sonntag.

SECO 401: Rundumbetrieb: 7 Tage Arbeit, 3 Tage frei

Musterplan Nr. 401 des SECO (Wegleitung zum Arbeitsgesetz, Anhang 5), originalgetreu übernommen.

Woche 1Woche 2Woche 3Woche 4
MoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSo
Gruppe A·FFFFFFF··SSSSSSS··NNNNNNN··
Gruppe BF··SSSSSSS··NNNNNNN···FFFFFF
Gruppe CSSS··NNNNNNN···FFFFFFF··SSSS
Gruppe DNNNNN···FFFFFFF··SSSSSSS··NN
Ø Wochenarbeitszeit
42,0 Stunden brutto, 39,4 ohne Pausen (laut SECO)
Gruppen
4, Versatz je 21 Tage
Zyklus
28 Tage je Gruppe
  • Ruhezeit überall mindestens 11 Stunden (kürzeste 16 h)
  • Vorwärtsrotation eingehalten (Früh → Spät → Nacht)
  • 7 Tage in Folge mit Schicht ohne 24 Stunden Ruhe
  • spätestens nach 7 Tagen mindestens 24 Stunden Ruhe (ununterbrochener Betrieb: spätestens nach sieben Tagen)
  • 7 Nächte in Folge — die SECO-Wegleitung empfiehlt höchstens 4
  • höchste Kalenderwoche 45 Stunden ohne Pausen
  • rund 26 freie Sonntage im Jahr (Ruhetag 6–16 Uhr) — mindestens 26 im ununterbrochenen Betrieb

Wochenansicht, Kennzahlen und Jahreskalender →


SECO 471: Zwölfstunden am Sonntag, verkürzte Nacht

Musterplan Nr. 471 des SECO (Wegleitung zum Arbeitsgesetz, Anhang 5), originalgetreu übernommen.

Schichtzeiten in diesem Modell: Spät 14:00–23:00, Nacht 23:00–06:00 Uhr.

Woche 1Woche 2Woche 3Woche 4
MoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSo
Gruppe ASSSSSS·NNNNNNN12·····FF12FFFFF··
Gruppe CFFFFF··SSSSSS·NNNNNNN12·····FF12
Gruppe B·····FF12FFFFF··SSSSSS·NNNNNNN12
Gruppe DNNNNNNN12·····FF12FFFFF··SSSSSS·
Ø Wochenarbeitszeit
42,0 Stunden brutto, 39,1 ohne Pausen (laut SECO)
Gruppen
4, Versatz je 7 Tage
Zyklus
28 Tage je Gruppe
  • Ruhezeit überall mindestens 11 Stunden (kürzeste 12 h)
  • Vorwärtsrotation eingehalten (Früh → Spät → Nacht)
  • 7 Tage in Folge mit Schicht ohne 24 Stunden Ruhe
  • spätestens nach 7 Tagen mindestens 24 Stunden Ruhe (ununterbrochener Betrieb: spätestens nach sieben Tagen)
  • 7 Nächte in Folge — die SECO-Wegleitung empfiehlt höchstens 4
  • höchste Kalenderwoche 51 Stunden ohne Pausen — über 50 Stunden; im ununterbrochenen Betrieb zulässig, wenn der Durchschnitt über 16 Wochen eingehalten ist
  • rund 39 freie Sonntage im Jahr (Ruhetag 6–16 Uhr) — mindestens 26 im ununterbrochenen Betrieb
  • Zwölfstundenschichten nur zwischen Freitagabend und Montagmorgen — im ununterbrochenen Betrieb zulässig, mit zwei Stunden Pause und ärztlicher Untersuchung

Wochenansicht, Kennzahlen und Jahreskalender →

Alle Modelle mit Kennzahlen und Prüfung: Schichtplan-Vorlagen.

Häufige Fragen

Wie viele Stunden darf man in der Industrie pro Woche arbeiten?

Höchstens 45 Stunden. Im ununterbrochenen Betrieb gilt diese Grenze im Durchschnitt über 16 Wochen.

Braucht ein Zweischichtbetrieb eine Bewilligung?

Nein, solange beide Schichten zusammen innerhalb von 17 Stunden im Tages- und Abendrahmen liegen und keine Nachtarbeit anfällt.

Wer bewilligt den Dreischichtbetrieb?

Bei dauernder Nachtarbeit das SECO, bei vorübergehender der Kanton.

Wie viele Gruppen braucht ein Vollkonti-Betrieb?

In der Regel mindestens vier; mit Ferien und Ausfällen sind es rechnerisch knapp fünf. Der Rechenweg steht unter Wie viele Schichtgruppen braucht ein Betrieb?

Der Branchenvergleich steht unter Schichtarbeit nach Branchen: Was sich in Pflege, Gastro und Industrie unterscheidet.

Verwandtes Thema: Wann braucht Nachtarbeit eine Bewilligung?.

Quellen

  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 9, 17, 24 und 25 — Höchstarbeitszeit, Nachtarbeit, ununterbrochener Betrieb, Schichtwechsel
  • Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Artikel 27, 28, 34 und 36–38
  • SECO, Checkliste Arbeitszeitbewilligungen — Gesuch über EasyGov, Achtwochenfrist
  • Arbeitsinspektorat Kanton Zürich, Merkblatt Arbeits- und Ruhezeitbestimmungen, abgerufen im Oktober 2026
  • SECO, Wegleitung zu Artikel 24 ArG — ununterbrochener Betrieb

Zuletzt geprüft: 19. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.