Wann braucht Nachtarbeit eine Bewilligung?

Zuletzt aktualisiert am 24. October 2026

Nachtarbeit ist grundsätzlich verboten und nur mit Bewilligung zulässig. Für vorübergehende Nachtarbeit ist der Kanton zuständig, für dauernde oder regelmässig wiederkehrende das SECO. Ohne Zustimmung der betroffenen Person darf sie in keinem Fall angeordnet werden.

📋 Kurz zusammengefasst

Zwei Behörden, zwei Voraussetzungen. Der Kanton bewilligt vorübergehende Nachtarbeit bei dringendem Bedürfnis, das SECO dauernde oder regelmässig wiederkehrende bei Unentbehrlichkeit. Das Gesuch an das SECO läuft über EasyGov und soll mindestens acht Wochen vor dem geplanten Beginn eingereicht werden. Einzelne Branchen sind nach Verordnung 2 von der Bewilligungspflicht ausgenommen. Die Zustimmung der Arbeitnehmenden ersetzt keine Bewilligung — sie kommt dazu.

Welche Bewilligung ist wann zuständig?

Die Abgrenzung folgt der Dauer, nicht der Branche.

Vorübergehende Nachtarbeit — etwa eine Inventur, ein Umbau, eine befristete Auftragsspitze — bewilligt die kantonale Vollzugsstelle. Voraussetzung ist ein dringendes Bedürfnis. Grundlage ist Artikel 27 der Verordnung 1.

Dauernde oder regelmässig wiederkehrende Nachtarbeit — der klassische Dreischichtbetrieb — bewilligt das SECO. Voraussetzung ist die Unentbehrlichkeit der Nachtarbeit. Grundlage ist Artikel 28 der Verordnung 1.

Die Grenze zwischen beiden zieht Artikel 40 der Verordnung 1. Praktisch orientiert sie sich an derselben Schwelle wie die Zuschläge: Ab 25 Nächten im Kalenderjahr gilt Nachtarbeit als dauernd oder regelmässig wiederkehrend.

Was gehört in ein Gesuch?

Das SECO-Gesuch läuft über das Portal EasyGov und verlangt mehr als eine Begründung.

  • Das Arbeitszeitmodell mit Stundenplan und Schichtwechsel
  • Die Zahl der betroffenen Personen und wie viele gleichzeitig im Einsatz sind
  • Beim ununterbrochenen Betrieb zusätzlich das Schichtmodell als Excel-Datei nach SECO-Vorlage
  • Angaben zur Herstellung oder Dienstleistung und zum klar abgegrenzten Betriebsteil
  • Die Prüfung, ob eine medizinische Untersuchung für Nachtarbeit obligatorisch ist
  • Einheitliche Nacht- und Sonntagszeiträume am Standort, abgeglichen mit bestehenden Bewilligungen

Das Gesuch soll mindestens acht Wochen vor dem geplanten Arbeitsbeginn eingereicht werden. Verzögert sich die Bearbeitung, bleibt eine bestehende Bewilligung bis zum Eintreffen der neuen gültig; die Bestätigungsmail dient als Nachweis gegenüber dem Arbeitsinspektorat.

💡 Expert Insight

Dass der konkrete Schichtplan Teil des Gesuchs ist, wird leicht übersehen — und es ist der eigentliche Hebel. Bewilligt wird nicht «Nachtarbeit», sondern das eingereichte Modell. Wer den Plan später ändert, braucht eine neue oder angepasste Bewilligung. Umgekehrt heisst das: Ein Modell, das von den Standardvorlagen abweicht, ist nicht per se unzulässig, sondern einzeln einzureichen und zu begründen. Genau so bekommt man Pläne durch, die besser zur eigenen Belegschaft passen als jede Vorlage — es kostet nur eine saubere Begründung und acht Wochen Vorlauf.

Wann entfällt die Bewilligungspflicht?

Für Betriebe mit Sonderbestimmungen nach Verordnung 2. Dazu gehören unter anderem Spitäler und Kliniken, Gastbetriebe, Verkehrsbetriebe und bestimmte Dienstleistungen, bei denen Nacht- oder Sonntagsarbeit zum Wesen der Tätigkeit gehört.

Entfällt die Bewilligung, entfallen nicht die übrigen Regeln. Höchstarbeitszeit, Ruhezeit, Zuschläge, Ausgleichsruhezeit und die Grenzen der Nachtarbeitsdauer gelten unverändert.

Ob ein Betrieb unter die Sonderbestimmungen fällt, entscheidet nicht die Selbsteinschätzung, sondern die Verordnung. Im Zweifel gibt das kantonale Arbeitsinspektorat Auskunft.

Welche Rolle spielt die Zustimmung?

Eine eigenständige. Nachtarbeit darf nicht ohne Zustimmung der betroffenen Person angeordnet werden, und dasselbe gilt für Sonntagsarbeit.

Die Zustimmung ersetzt die Bewilligung nicht, und die Bewilligung ersetzt die Zustimmung nicht. Beide müssen vorliegen.

Hinzu kommt das Mitwirkungsrecht bei der Planung der Arbeitszeiten. Es greift schon vor der Festlegung des Modells und damit vor dem Gesuch — die Reihenfolge ist Beteiligung, dann Modell, dann Bewilligung.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Eine fehlende Bewilligung macht die Nachtarbeit unzulässig, berührt aber die Ansprüche der Arbeitnehmenden nicht: Zuschläge, Ausgleichsruhezeit und Ruhezeiten sind unabhängig davon geschuldet. Zuständig für die Kontrolle ist das kantonale Arbeitsinspektorat. Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Was prüft die Behörde inhaltlich?

Neben der Begründung die Einhaltung der materiellen Grenzen: die Dauer der Nachtarbeit, die Ruhezeiten, die Pausenregelung, die Schichtdauer und die Wechselrichtung.

Unentbehrlichkeit wird dabei enger ausgelegt als dringendes Bedürfnis. Wirtschaftliche Gründe allein genügen in der Regel nicht; verlangt werden technische oder wirtschaftliche Gründe, die den Verzicht auf Nachtarbeit praktisch ausschliessen.

Wer unsicher ist, ob das eigene Modell trägt, klärt das besser vor dem Gesuch. Die kantonale Vollzugsstelle gibt dazu Auskunft, auch wenn am Ende das SECO entscheidet.

💬 Meine Einschätzung

Das Bewilligungsverfahren hat in Betrieben den Ruf einer Formalie, und das ist aus meiner Sicht die gefährlichste Einschätzung überhaupt. In 17 Jahren Teamleitung in der Schweiz habe ich auch Modelle erstellt, die nicht aus den SECO-Vorlagen stammten und als eigene Pläne eingereicht und genehmigt wurden. Ein solches Gesuch muss Ruhezeiten, Pausenabdeckung und den Schnitt der Lagen schlüssig begründen — und genau diese Begründung macht den Plan besser. Wer das Verfahren als Hürde behandelt, reicht Vorlagen ein. Wer es als Prüfung behandelt, bekommt ein Modell, das trägt — und eine Begründung, die man der Belegschaft auch erklären kann.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Nachtarbeit ist bewilligungspflichtig, vorübergehend beim Kanton, dauernd beim SECO.
  • Kanton: dringendes Bedürfnis. SECO: Unentbehrlichkeit.
  • Gesuch über EasyGov, mindestens 8 Wochen vor Beginn.
  • Bewilligt wird das konkrete Modell, nicht Nachtarbeit allgemein.
  • Zustimmung der Betroffenen ist zusätzlich nötig und ersetzt die Bewilligung nicht.

Die Musterschichtpläne des SECO stehen grafisch und mit Kennzahlen auf den Schichtplan-Vorlagen.

Ein Musterplan des SECO als Beispiel

Die Musterpläne aus der Wegleitung zeigen, wie ein Rundumbetrieb nach den Vorgaben aussehen kann.

SECO 401: Rundumbetrieb: 7 Tage Arbeit, 3 Tage frei

Musterplan Nr. 401 des SECO (Wegleitung zum Arbeitsgesetz, Anhang 5), originalgetreu übernommen.

Woche 1Woche 2Woche 3Woche 4
MoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSo
Gruppe A·FFFFFFF··SSSSSSS··NNNNNNN··
Gruppe BF··SSSSSSS··NNNNNNN···FFFFFF
Gruppe CSSS··NNNNNNN···FFFFFFF··SSSS
Gruppe DNNNNN···FFFFFFF··SSSSSSS··NN
Ø Wochenarbeitszeit
42,0 Stunden brutto, 39,4 ohne Pausen (laut SECO)
Gruppen
4, Versatz je 21 Tage
Zyklus
28 Tage je Gruppe
  • Ruhezeit überall mindestens 11 Stunden (kürzeste 16 h)
  • Vorwärtsrotation eingehalten (Früh → Spät → Nacht)
  • 7 Tage in Folge mit Schicht ohne 24 Stunden Ruhe
  • spätestens nach 7 Tagen mindestens 24 Stunden Ruhe (ununterbrochener Betrieb: spätestens nach sieben Tagen)
  • 7 Nächte in Folge — die SECO-Wegleitung empfiehlt höchstens 4
  • höchste Kalenderwoche 45 Stunden ohne Pausen
  • rund 26 freie Sonntage im Jahr (Ruhetag 6–16 Uhr) — mindestens 26 im ununterbrochenen Betrieb

Wochenansicht, Kennzahlen und Jahreskalender →

Alle Modelle mit Kennzahlen und Prüfung: Schichtplan-Vorlagen.

Häufige Fragen

Wer erteilt die Bewilligung für den Dreischichtbetrieb?

Bei dauernder oder regelmässig wiederkehrender Nachtarbeit das SECO. Nur vorübergehende Nachtarbeit bewilligt der Kanton.

Wie lange dauert das Verfahren?

Das Gesuch soll acht Wochen vor dem geplanten Beginn vorliegen. Wer zu spät dran ist, braucht beim Kanton eine Übergangsbewilligung.

Gilt die Bewilligung unbefristet?

Nein. Bewilligungen sind befristet und werden verlängert. Ändert sich das Modell, ist eine Anpassung erforderlich.

Was passiert ohne Bewilligung?

Die Nachtarbeit ist unzulässig. Die Ansprüche der Arbeitnehmenden auf Zuschläge und Ausgleichsruhezeit bestehen trotzdem.

Der Überblick über alle Regeln steht unter Arbeitszeit und Ruhezeit in der Schweiz: Was das Arbeitsgesetz vorschreibt.

Verwandtes Thema: Wie funktioniert ein Zwölfstundenmodell im Schichtbetrieb?.

Welche Betriebe keine Bewilligung brauchen: Schichtarbeit nach Branchen.

Quellen

  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 17 — Nachtarbeit, Bewilligungspflicht, Zustimmung
  • Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Artikel 27 und 28 — Zuständigkeit Kanton und SECO
  • Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Artikel 40 — Abgrenzung vorübergehend und dauernd
  • SECO, Checkliste Arbeitszeitbewilligungen — Gesuchsunterlagen, EasyGov, Achtwochenfrist
  • Verordnung 2 zum Arbeitsgesetz (ArGV 2) — Betriebe mit Sonderbestimmungen
  • Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Artikel 69 — Mitwirkung bei der Arbeitszeitplanung

Zuletzt geprüft: 19. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.