Nachtzuschlag in der Schweiz: Wann 25 Prozent, wann 10 Prozent Freizeit?

Zuletzt aktualisiert am 19. October 2026

Wer in weniger als 25 Nächten pro Jahr nachts arbeitet, erhält mindestens 25 Prozent Lohnzuschlag. Ab 25 Nächten tritt an dessen Stelle eine Ausgleichsruhezeit von 10 Prozent der geleisteten Nachtarbeit — also Freizeit statt Geld.

📋 Kurz zusammengefasst

Die Schweiz kennt zwei Arten des Nachtausgleichs, und die Zahl der Nächte entscheidet, welche greift. Unter 25 Nächten im Jahr gilt Nachtarbeit als vorübergehend und löst mindestens 25 Prozent Lohnzuschlag aus. Ab 25 Nächten entsteht ein Anspruch auf 10 Prozent Ausgleichsruhezeit, der nicht durch Geld ersetzt werden darf. Eine Ausnahme bilden Randstunden. Als Nachtzeit gilt grundsätzlich 23 bis 6 Uhr; der Rahmen ist betrieblich verschiebbar.

Was gilt als Nachtarbeit?

Nachtarbeit ist Arbeit ausserhalb der betrieblichen Tages- und Abendarbeit. Dieser Rahmen liegt grundsätzlich zwischen 6 und 23 Uhr. Er lässt sich im Betrieb zwischen 5 und 24 Uhr anders legen, wenn die Mehrheit der betroffenen Arbeitnehmenden zustimmt.

Damit ist die Nachtzeit nicht in jedem Betrieb dieselbe. Wird der Tagesrahmen auf 5 bis 22 Uhr gelegt, beginnt die Nachtzeit um 22 Uhr. Wer wissen will, ab wann Zuschläge anfallen, muss den betrieblich festgelegten Rahmen kennen, nicht nur das Gesetz.

Nachtarbeit ist grundsätzlich bewilligungspflichtig. Zusätzlich ist die tägliche Arbeitszeit begrenzt: höchstens neun Stunden innerhalb eines Zeitraums von zehn Stunden.

Wann gibt es 25 Prozent Lohnzuschlag?

Bei vorübergehender Nachtarbeit, also bei weniger als 25 Nächten pro Kalenderjahr, ist ein Lohnzuschlag von mindestens 25 Prozent auf die Nachtstunden geschuldet.

Gezählt werden Nächte, nicht Stunden. Wer in einer Nacht sechs Stunden arbeitet und in der nächsten eine, hat zwei Nächte verbraucht. Diese Zählweise ist der Kern der ganzen Regelung und entscheidet über die Art des Ausgleichs.

Der Zuschlag bezieht sich dabei nur auf die Stunden, die tatsächlich in die Nachtzeit fallen. Wer von 20 bis 2 Uhr arbeitet und einen Tagesrahmen bis 23 Uhr hat, bekommt den Zuschlag auf drei Stunden, nicht auf sechs.

Wann gibt es 10 Prozent Zeitzuschlag?

Bei dauernder oder regelmässig wiederkehrender Nachtarbeit — ab 25 Nächten pro Kalenderjahr — besteht ein Anspruch auf eine Kompensation von 10 Prozent der Zeit, während der Nachtarbeit geleistet wurde.

Dieser Zeitzuschlag ist obligatorisch und darf nicht durch einen Lohnzuschlag ersetzt werden. Der Grund ist der Gesundheitsschutz: Der Erholungswert des Schlafs ist tagsüber geringer, deshalb soll zusätzliche Ruhezeit entstehen und nicht zusätzliches Einkommen.

Auf zehn Nachtstunden kommt damit eine Stunde Freizeit. Die Ausgleichsruhezeit ist innerhalb eines Jahres zu gewähren. Sie gilt für Angestellte im Monats- wie im Stundenlohn.

Ein wichtiger Punkt zur Zählweise: Steht im Voraus fest, dass mehr als 24 Nächte anfallen, ist der Zeitzuschlag ab der ersten Nacht geschuldet — nicht erst ab der 25.

💡 Expert Insight

Der Zeitzuschlag ist eine Position, die in Schichtbetrieben leicht anwächst, ohne je bezogen zu werden. Bei einem Dreischichtmodell mit rund 90 Nachtschichten im Jahr summieren sich zehn Prozent auf etwa sechs bis sieben freie Schichten — und die müssen im Plan stehen, sonst gibt es sie nicht. Wer Schichtpläne baut, sollte diese Freischichten von Anfang an einplanen, nicht am Jahresende verteilen. Am Jahresende hat niemand Kapazität, die Abwesenheit noch aufzufangen.

Was ist die Randstunden-Ausnahme?

Arbeitnehmende, die dauernd abends oder morgens höchstens eine Randstunde in der Nacht arbeiten, können den Ausgleich statt als Zeitzuschlag auch als Lohnzuschlag von 10 Prozent erhalten.

Der Gedanke dahinter: Für eine einzelne Nachtstunde entsteht kaum nutzbare Ausgleichsruhezeit. Betroffen sind typischerweise Frühschichten, die kurz vor Ende der Nachtzeit beginnen, oder Spätschichten, die kurz danach enden.

Die Ausnahme ist eine Wahlmöglichkeit des Arbeitgebers, keine Pflicht. Und sie fällt weg, sobald zusätzlich zu den Randstunden auch normale Nachtarbeit geleistet wird: Dann ist für die gesamte Nachtarbeit zwingend der Zeitzuschlag von 10 Prozent zu gewähren.

Wie hoch ist der Sonntagszuschlag?

Für vorübergehende Sonntagsarbeit beträgt der Lohnzuschlag 50 Prozent. Als Sonntag gilt die Zeit von Samstag 23 Uhr bis Sonntag 23 Uhr.

Bis zu fünf Stunden Sonntagsarbeit sind innert vier Wochen durch Freizeit auszugleichen. Dauert der Einsatz länger als fünf Stunden, steht ein ganzer Ersatzruhetag zu, und zwar in der vorhergehenden oder der folgenden Woche.

Bei dauernder Sonntagsarbeit beschränkt sich der Anspruch auf die zeitliche Kompensation und den Ersatzruhetag — der Lohnzuschlag von 50 Prozent entfällt dann. Die Systematik entspricht damit der bei der Nachtarbeit: Was gelegentlich vorkommt, wird mit Geld ausgeglichen, was dauerhaft anfällt, mit Zeit.

Die Beträge für den eigenen Fall lassen sich mit dem Zuschlags-Rechner Schweiz überschlagen.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Alle genannten Prozentsätze sind gesetzliche Mindestansätze nach Arbeitsgesetz, Stand Oktober 2026. Gesamtarbeitsverträge können höhere Zuschläge vorsehen und gehen dann vor. Sieht ein GAV keinen Zeitzuschlag für Nachtarbeit vor, ist der gesetzliche Zeitzuschlag zusätzlich zu gewähren. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Welche Rolle spielt das Schichtmodell?

Das Modell entscheidet darüber, wie viele Nächte im Jahr anfallen — und damit darüber, welche Ausgleichsart greift. Diese Verbindung wird oft übersehen, obwohl sie die praktisch wichtigste ist.

Ein Zweischichtmodell ohne Nachtlage erzeugt im Regelfall gar keine Nachtarbeit. Ein Dreischichtmodell mit wöchentlicher Rotation bringt rund ein Drittel der Einsätze in die Nachtlage und überschreitet die Grenze von 25 Nächten deutlich. Eine Dauernachtschicht liegt vollständig darüber.

Wer wissen will, in welche Kategorie er fällt, zählt die Nächte des eigenen Zyklus und rechnet aufs Jahr hoch. Bei zwei Nachtschichten in einem Achttagezyklus sind das rund 91 Nächte im Jahr — klar im Bereich des Zeitzuschlags.

Welches Modell wie viele Nächte erzeugt, steht in der Übersicht Schichtmodelle in der Schweiz.

💬 Meine Einschätzung

Die häufigste Enttäuschung beim Thema Nachtzuschlag entsteht aus einem Missverständnis: Viele erwarten 25 Prozent mehr Lohn und bekommen stattdessen Freizeit, die im Plan nirgends auftaucht. Der Zeitzuschlag ist der schlechter sichtbare, aber nicht der schlechtere Ausgleich — vorausgesetzt, er wird tatsächlich gewährt. Nach 17 Jahren Teamleitung in der Schweiz würde ich jedem raten, die eigenen Nachtstunden mitzuzählen und einmal im Jahr gegen den Saldo zu halten. Zehn Prozent von 500 Nachtstunden sind 50 Stunden, also mehr als eine Arbeitswoche. Das ist keine Grösse, die man dem Zufall überlassen sollte.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Unter 25 Nächten im Jahr: mindestens 25 Prozent Lohnzuschlag auf die Nachtstunden.
  • Ab 25 Nächten: 10 Prozent Ausgleichsruhezeit, nicht durch Geld ersetzbar.
  • Steht die Überschreitung im Voraus fest, gilt der Zeitzuschlag ab der ersten Nacht.
  • Nachtzeit ist grundsätzlich 23 bis 6 Uhr, betrieblich zwischen 5 und 24 Uhr verschiebbar.
  • Sonntagsarbeit: 50 Prozent bei vorübergehender Arbeit, Ersatzruhetag ab mehr als 5 Stunden Einsatz.

Häufige Fragen zum Nachtzuschlag

Kann der Zeitzuschlag ausbezahlt werden?

Nein. Bei dauernder oder regelmässig wiederkehrender Nachtarbeit ist der Zeitzuschlag von 10 Prozent als Freizeit zu gewähren. Eine Ausnahme bildet die Randstunden-Regelung und der Sonderfall der Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Zählt eine angefangene Nacht voll?

Für die Zählung der 25 Nächte zählt jede Nacht, in der Nachtarbeit geleistet wurde. Für die Höhe des Zuschlags zählen dagegen die tatsächlichen Stunden innerhalb der Nachtzeit.

Was gilt, wenn mein GAV andere Ansätze nennt?

Günstigere Regelungen im Gesamtarbeitsvertrag gehen vor. Sieht der GAV keinen Zeitzuschlag für Nachtarbeit vor, ist der gesetzliche Zeitzuschlag zusätzlich zu gewähren.

Gilt der Zuschlag auch bei Piketteinsätzen in der Nacht?

Die gesetzlichen Regeln zu Nacht- und Sonntagsarbeit gelten für die Einsatzstunden unabhängig von der Bereitschaftsentschädigung. Mehr dazu unter Pikettdienst in der Schweiz.

Wie erkenne ich, welcher Tagesrahmen in meinem Betrieb gilt?

Der Rahmen ergibt sich aus der betrieblichen Festlegung, die mit Zustimmung der Mehrheit der betroffenen Arbeitnehmenden erfolgt. Auskunft geben Personalabteilung, Betriebsreglement oder die Arbeitnehmervertretung.

Vertiefung zu einzelnen Fragen

Die gesetzlichen Grenzen im Überblick: Arbeitszeit und Ruhezeit in der Schweiz: Was das Arbeitsgesetz vorschreibt.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 17b — Lohn- und Zeitzuschlag bei Nachtarbeit
  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 19 und 20 — Sonntagsarbeit, Zuschlag und Ersatzruhetag
  • SECO, Merkblatt Zeitzuschlag von 10 Prozent für regelmässige Nachtarbeit
  • SECO, Informationen zu Arbeits- und Ruhezeiten sowie zu Nacht- und Sonntagsarbeit, abgerufen im Oktober 2026
  • ch.ch, Sonntags- und Nachtarbeit — Übersicht für Arbeitnehmende

Zuletzt geprüft: 15. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.