Was ist die Randstunden-Regelung?

Wer regelmässig nur die erste oder letzte Stunde der Nacht arbeitet, kann statt der Ausgleichsruhezeit einen Lohnzuschlag von 10 Prozent erhalten. Die Regel ist eine von vier Ausnahmen vom Zeitzuschlag — und die einzige, bei der Geld statt Freizeit fliesst.

📋 Kurz zusammengefasst

Die Randstunden-Regelung steht im letzten Satz von Artikel 17b Absatz 2 des Arbeitsgesetzes. Sie gilt nur, wenn ausschliesslich Randstunden geleistet werden; kommt normale Nachtarbeit dazu, ist für die gesamte Nachtarbeit der Zeitzuschlag geschuldet. Daneben nennt Absatz 3 drei Fälle, in denen der Zeitzuschlag ganz entfällt: eine durchschnittliche Schichtdauer von höchstens sieben Stunden inklusive Pausen, eine Viernächtewoche und eine gleichwertige, vom Bund genehmigte Regelung im Gesamtarbeitsvertrag.

Was ist eine Randstunde?

Die erste oder die letzte Stunde der Nachtzeit. Beim gesetzlichen Standardrahmen ist das 23 bis 24 Uhr oder 5 bis 6 Uhr.

Typische Fälle sind die Spätschicht, die regelmässig bis Mitternacht dauert, und die Frühschicht, die um 5 Uhr beginnt. Beide berühren die Nacht, ohne in ihr zu liegen.

Ist der Tagesrahmen betrieblich verschoben, verschieben sich auch die Randstunden. Wie das funktioniert, steht unter Ab wann gilt Arbeit als Nachtarbeit?

Wann darf statt Freizeit Geld gezahlt werden?

Wenn die Person regelmässig abends oder morgens höchstens eine Randstunde in der Nacht arbeitet. Dann kann statt des Zeitzuschlags ein Lohnzuschlag von 10 Prozent gewährt werden.

Die Wegleitung präzisiert die Bedingung: Es dürfen ausschliesslich Randstunden geleistet werden. Wird darüber hinaus normale Nachtarbeit geleistet, ist für die gesamte Nachtarbeit ein Zeitzuschlag zu gewähren — auch für die Randstunden.

Ein Frühschichtler, der jeden Tag um 5 Uhr beginnt, fällt unter die Regel. Ein Frühschichtler, der zusätzlich alle vier Wochen einen Nachtblock fährt, nicht.

💡 Expert Insight

Im Dreischichtbetrieb läuft die Randstunden-Regelung fast immer ins Leere, weil dort alle Gruppen auch volle Nachtschichten leisten. Ihr eigentliches Feld sind Zweischichtmodelle mit verschobenen Rändern: Frühschicht ab 5 Uhr, Spätschicht bis Mitternacht, keine Nachtlage. Dort ist sie ein echtes Gestaltungsmittel — für den Betrieb, weil Geld leichter zu verwalten ist als Freizeitsaldi, und für die Belegschaft, weil der Zuschlag sofort auf der Lohnabrechnung erscheint. Wer ein solches Modell plant, sollte die Wahl zwischen Zeit- und Lohnzuschlag ausdrücklich regeln, statt sie stillschweigend der Lohnbuchhaltung zu überlassen.

In welchen Fällen entfällt der Zeitzuschlag ganz?

Absatz 3 von Artikel 17b nennt drei Konstellationen, in denen kein Zeitzuschlag entsteht.

Kurze Schichten. Die durchschnittliche betriebliche Schichtdauer einschliesslich Pausen übersteigt sieben Stunden nicht. Nach der Wegleitung zählt der Durchschnitt über alle Schichten, auch die Tagschichten; eine einzelne Person darf höchstens 35 Stunden pro Woche eingesetzt werden.

Viernächtewoche. Die Person arbeitet nur in vier Nächten pro Woche. Bei Teilzeit gilt der Anteil am Vollzeitpensum: Bei 80 Prozent entspricht das rund 3,2 Nächten. Wer mit einem 80-Prozent-Pensum vier Nächte arbeitet, hat den Zeitzuschlag trotzdem.

Gleichwertige GAV-Regelung. Ein Gesamtarbeitsvertrag kann eine gleichwertige Ausgleichsruhezeit innerhalb eines Jahres vorsehen, die insgesamt 10 Prozent entspricht. Diese Ausnahme braucht eine Genehmigung des Bundesamts; ohne sie gilt der ordentliche Zeitzuschlag.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Die Ausnahmen sind eng gefasst und müssen im Einzelfall geprüft werden. Liegt keine der Konstellationen vor, ist der Zeitzuschlag von 10 Prozent als Freizeit zwingend und darf nicht durch Geld ersetzt werden. Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Was gilt beim Wechsel von vorübergehender zu dauernder Nachtarbeit?

Werden einer Person wider Erwarten 25 oder mehr Nächte im Jahr zugeteilt, bleibt der Lohnzuschlag von 25 Prozent für die ersten 24 Nächte bestehen. Ab der 25. Nacht ist der Zeitzuschlag von 10 Prozent geschuldet.

Steht dagegen von Anfang an fest, dass 25 oder mehr Nächte anfallen, gilt der Zeitzuschlag ab der ersten Nacht. Die Planung entscheidet also mit, welcher Zuschlag fällig wird.

Die Grundregeln dazu stehen unter Was bedeutet der Zeitzuschlag von 10 Prozent konkret?

💬 Meine Einschätzung

Die Ausnahmen vom Zeitzuschlag sind ein Teil des Nachtarbeitsrechts, der leicht falsch angewendet wird — in beide Richtungen. Zwei Fehler liegen nahe: die Viernächtewoche als Begründung, obwohl einzelne Wochen fünf Nächte haben, und umgekehrt Zeitzuschläge auf reine Randstunden, bei denen ein Lohnzuschlag zulässig und einfacher wäre. Aus 17 Jahren Teamleitung in der Schweiz mein Rat: Die Zuschlagsart gehört in die Planungsunterlagen, nicht erst in die Abrechnung. Wer beim Planen weiss, welche Regel greift, muss am Jahresende keine Saldi rekonstruieren.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Randstunde: erste oder letzte Stunde der Nachtzeit.
  • Nur Randstunden: 10 Prozent Lohnzuschlag statt Freizeit möglich.
  • Zusätzliche normale Nachtarbeit: Zeitzuschlag für alles.
  • Zeitzuschlag entfällt bei Ø höchstens 7 h Schichtdauer, Viernächtewoche oder genehmigter GAV-Regelung.
  • Unerwartet ab der 25. Nacht: Zeitzuschlag ab dieser Nacht.

Häufige Fragen

Ist der Lohnzuschlag bei Randstunden Pflicht?

Nein. Er ist eine Möglichkeit anstelle des Zeitzuschlags. Gewährt der Betrieb stattdessen Freizeit, ist das ebenfalls korrekt.

Gilt die Viernächtewoche auch bei fünf Nächten in einzelnen Wochen?

Die Ausnahme setzt voraus, dass nur in vier Nächten pro Woche gearbeitet wird. Wochen mit mehr Nächten erfüllen die Voraussetzung nicht.

Zählen die Tagschichten beim Siebenstundendurchschnitt mit?

Ja. Nach der Wegleitung wird der Durchschnitt über alle Schichten des Betriebs gebildet.

Braucht eine GAV-Lösung eine Genehmigung?

Ja, eine Genehmigung des Bundesamts. Ohne sie gilt der gesetzliche Zeitzuschlag.

Der Überblick über alle Zuschläge steht unter Nachtzuschlag in der Schweiz: Wann 25 Prozent, wann 10 Prozent Freizeit?.

Verwandtes Thema: Was bedeutet der Zeitzuschlag von 10 Prozent konkret?.

Quellen

  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 17b — Lohn- und Zeitzuschlag, Randstunden, Ausnahmen
  • SECO, Wegleitung zu Artikel 17b ArG — Randstunden, Siebenstundendurchschnitt, Viernächtewoche, GAV-Genehmigung
  • SECO, Nacht- und Sonntagsarbeit — Abgrenzung nach 25 Nächten, Wechsel ab der 25. Nacht, abgerufen im Oktober 2026
  • Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Artikel 31 — dauernde und regelmässig wiederkehrende Nachtarbeit

Zuletzt geprüft: 19. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.