Was bedeutet der Zeitzuschlag von 10 Prozent konkret?

Zuletzt aktualisiert am 19. October 2026

Wer ab 25 Nächten im Jahr nachts arbeitet, erhält 10 Prozent der geleisteten Nachtarbeitszeit als bezahlte Freizeit. Auf zehn Nachtstunden kommt damit eine Stunde frei. Eine Auszahlung statt Freizeit ist nicht zulässig.

📋 Kurz zusammengefasst

Der Zeitzuschlag ist Ausgleichsruhezeit, kein Geld. Er beträgt 10 Prozent der Stunden, die in der Nachtzeit geleistet wurden, und ist innerhalb eines Jahres zu gewähren. Er gilt für Monats- wie Stundenlohn. Steht im Voraus fest, dass mehr als 24 Nächte anfallen, ist er ab der ersten Nacht geschuldet. Bei einem Dreischichtmodell summiert er sich auf mehrere freie Schichten im Jahr — die im Plan stehen müssen, um zu existieren.

Wie wird der Zeitzuschlag berechnet?

Die Formel lautet: geleistete Nachtstunden mal 10 Prozent gleich Ausgleichsruhezeit in Stunden. Massgebend sind die Stunden innerhalb der Nachtzeit, nicht die gesamte Schichtdauer.

Ein Beispiel: Wer in einer Nachtschicht von 22 bis 6 Uhr bei einem Tagesrahmen bis 23 Uhr arbeitet, leistet sieben Nachtstunden. Zehn solche Schichten ergeben 70 Nachtstunden und damit sieben Stunden Ausgleichsruhezeit.

Über ein Jahr gerechnet wird daraus eine spürbare Grösse. Ein Dreischichtmodell mit rund 90 Nachtschichten erzeugt etwa 630 Nachtstunden, also 63 Stunden Ausgleich — je nach Schichtlänge sechs bis acht freie Schichten.

Warum Freizeit statt Geld?

Der Zweck ist Gesundheitsschutz. Der Erholungswert des Schlafs ist tagsüber geringer als nachts, deshalb sollen Menschen, die regelmässig nachts arbeiten, zusätzliche Ruhezeit bekommen.

Aus diesem Zweck folgt die Konsequenz: Der Zeitzuschlag darf nicht durch einen Lohnzuschlag ersetzt werden. Geld schafft keine Erholung. Die Regel ist zwingend und steht nicht zur Disposition der Vertragsparteien.

Zwei Ausnahmen gibt es. Bei Randstunden — also wenn dauerhaft höchstens eine Stunde in der Nacht liegt — kann stattdessen ein Lohnzuschlag von 10 Prozent gewährt werden. Und bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses kann ein noch offener Zeitzuschlag ausbezahlt werden.

Davon zu unterscheiden sind die Fälle, in denen der Zeitzuschlag gar nicht erst entsteht: eine durchschnittliche betriebliche Schichtdauer von höchstens sieben Stunden einschliesslich Pausen, eine Beschäftigung in nur vier Nächten pro Woche und eine gleichwertige, vom Bund genehmigte Regelung im Gesamtarbeitsvertrag. Einzelheiten stehen unter Was ist die Randstunden-Regelung?

💡 Expert Insight

Der Zeitzuschlag ist in der Schichtplanung eine Kapazitätsfrage, keine Lohnfrage. Sechs bis acht freie Schichten pro Person und Jahr bedeuten bei einer Gruppe von fünf Leuten rund 35 Schichten, die jemand anders abdecken muss. Wer diese Stunden nicht von Anfang an in den Personalbedarf einrechnet, hat am Jahresende zwei Probleme gleichzeitig: einen offenen Zeitsaldo und keine Leute, um ihn abzubauen. Deshalb gehört der Zeitzuschlag in die Bedarfsrechnung, nicht in die Nachkalkulation.

Ein Beispiel aus einem real gefahrenen Plan: Das Praxismodell mit vier Gruppen und 28 Tagen Zyklus erzeugt rund 91 Nächte im Jahr und damit etwa 64 Stunden Ausgleichsruhezeit pro Person — bei achtstündigen Schichten acht freie Schichten.

Für wen gilt der Zeitzuschlag?

Der Anspruch besteht für alle Arbeitnehmenden, die dauernd oder regelmässig wiederkehrend Nachtarbeit leisten — definiert als 25 und mehr Nächte pro Kalenderjahr.

Er gilt für Angestellte im Monatslohn wie im Stundenlohn. Bei Stundenlohn wird der Zeitzuschlag als bezahlte arbeitsfreie Zeit gewährt, nicht als prozentualer Aufschlag auf den Stundenansatz.

Er gilt zudem für alle Betriebe, die dem Arbeitsgesetz unterstehen — auch für solche, die bewilligungsfrei nachts beschäftigen dürfen.

Wann entsteht der Anspruch?

Steht im Voraus fest, dass mehr als 24 Nächte im Jahr gearbeitet werden, ist der Zeitzuschlag ab der ersten Nacht geschuldet. Es wird also nicht bis zur 25. Nacht gewartet.

Das ist bei festen Schichtmodellen der Normalfall: Wer in einem Dreischichtplan arbeitet, weiss im Januar, dass die Grenze überschritten wird.

Anders liegt es bei unregelmässigen Einsätzen. Dort kann sich erst im Lauf des Jahres zeigen, ob die Grenze erreicht wird. Die Ausgleichsruhezeit ist in jedem Fall innerhalb eines Jahres zu gewähren.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Sieht ein Gesamtarbeitsvertrag andere, gleichwertige Ausgleichsruhezeiten vor, können diese an die Stelle des gesetzlichen Zeitzuschlags treten. Enthält der GAV dagegen gar keine Regelung zum Zeitzuschlag, ist der gesetzliche zusätzlich zu gewähren. Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

💬 Meine Einschätzung

Der Zeitzuschlag ist die Regel, die am häufigsten korrekt angewendet und trotzdem nicht eingelöst wird. Auf dem Papier steht der Saldo, im Plan steht er nicht — und wer soll die Schicht übernehmen, wenn alle denselben Anspruch haben. Aus 17 Jahren Teamleitung in der Schweiz ist meine Konsequenz einfach: Die Freischichten gehören beim Planaufbau fest eingetragen, vor der Ferienplanung. Dann ist die Kapazität von Anfang an richtig gerechnet. Wer sie nachträglich verteilt, verteilt Stunden, die der Betrieb nicht hat.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • 10 Prozent der Nachtstunden als bezahlte Freizeit, nicht als Lohnzuschlag.
  • Auf 10 Nachtstunden kommt 1 Stunde Ausgleichsruhezeit.
  • Ein Dreischichtmodell erzeugt rund 60 Stunden Ausgleich im Jahr, also mehrere freie Schichten.
  • Gilt für Monats- und Stundenlohn, in allen dem ArG unterstellten Betrieben.
  • Steht die Überschreitung im Voraus fest, gilt der Anspruch ab der ersten Nacht.

Häufige Fragen

Kann ich mir den Zeitzuschlag auszahlen lassen?

Grundsätzlich nicht. Ausnahmen bestehen bei der Randstunden-Regelung und bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses.

Wie sehe ich meinen Saldo?

Der Zeitzuschlag sollte in der Zeiterfassung als eigener Posten geführt werden. Fehlt er dort, lohnt die Nachfrage bei der Personalabteilung.

Was passiert mit nicht bezogenem Ausgleich?

Die Ausgleichsruhezeit ist innerhalb eines Jahres zu gewähren. Bleibt sie offen, besteht der Anspruch weiter; bei Austritt kommt eine Auszahlung in Betracht.

Gilt der Zeitzuschlag zusätzlich zu Zuschlägen aus dem GAV?

Sieht der GAV keine entsprechende Ausgleichsruhezeit vor, ist der gesetzliche Zeitzuschlag zusätzlich zu gewähren.

Mehr dazu im Überblick: Nachtzuschlag in der Schweiz: Wann 25 Prozent, wann 10 Prozent Freizeit?.

Verwandte Fragen: Wie hoch ist der Sonntagszuschlag in der Schweiz? · Ab wann gilt Arbeit als Nachtarbeit?

Quellen

  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 17b Absatz 2 — Zeitzuschlag bei dauernder Nachtarbeit
  • SECO, Merkblatt Zeitzuschlag von 10 Prozent für regelmässige Nachtarbeit
  • SECO, Informationen zu Nacht- und Sonntagsarbeit, abgerufen im Oktober 2026

Zuletzt geprüft: 19. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.