Ab wann gilt Arbeit als Nachtarbeit?

Nachtarbeit ist Arbeit ausserhalb der betrieblichen Tages- und Abendarbeit. Dieser Rahmen liegt grundsätzlich zwischen 6 und 23 Uhr, kann im Betrieb aber zwischen 5 und 24 Uhr anders festgelegt werden.

📋 Kurz zusammengefasst

Die Nachtzeit ist nicht in jedem Betrieb dieselbe. Standardmässig gilt 23 bis 6 Uhr als Nacht. Mit Zustimmung der Mehrheit der betroffenen Arbeitnehmenden lässt sich der Tagesrahmen innerhalb von 5 bis 24 Uhr verschieben, womit sich auch die Nachtzeit verschiebt. Nachtarbeit ist bewilligungspflichtig, und die tägliche Arbeitszeit ist dabei auf neun Stunden innert zehn Stunden begrenzt. Nur Stunden innerhalb der Nachtzeit lösen Zuschläge aus.

Wie ist die Nachtzeit definiert?

Das Arbeitsgesetz definiert Nachtarbeit nicht über feste Uhrzeiten, sondern über die Abgrenzung zur betrieblichen Tages- und Abendarbeit. Was ausserhalb dieses Rahmens liegt, ist Nachtarbeit.

Der Standardrahmen ist 6 bis 23 Uhr. Daraus folgt die übliche Nachtzeit von 23 bis 6 Uhr, also sieben Stunden.

Der Rahmen lässt sich betrieblich verschieben, allerdings nur innerhalb der Grenzen von 5 bis 24 Uhr und nur mit Zustimmung der Mehrheit der betroffenen Arbeitnehmenden. Die Dauer bleibt dabei gleich; es verschiebt sich die Lage.

Was bedeutet die Verschiebung praktisch?

Wird der Tagesrahmen auf 5 bis 22 Uhr gelegt, beginnt die Nachtzeit bereits um 22 Uhr. Eine Spätschicht bis 22 Uhr erzeugt dann keine Nachtarbeit mehr, eine bis 23 Uhr dagegen eine Stunde.

Wird der Rahmen auf 7 bis 24 Uhr gelegt, endet die Nachtzeit um 7 Uhr. Eine Frühschicht ab 6 Uhr liegt dann mit einer Stunde in der Nachtzeit, die vorher ausserhalb lag.

Für Beschäftigte heisst das: Die Frage „ab wann gibt es Nachtzuschlag” lässt sich ohne Kenntnis des betrieblichen Rahmens nicht beantworten. Auskunft geben Personalabteilung, Betriebsreglement oder die Arbeitnehmervertretung.

💡 Expert Insight

Die Verschiebung des Tagesrahmens ist ein unterschätztes Planungswerkzeug — und ein ebenso unterschätzter Konfliktpunkt. Wer den Rahmen auf 5 bis 22 Uhr legt, kann Frühschichten ab 5 Uhr ohne Nachtzuschlag fahren und spart dauerhaft. Für die Belegschaft heisst dasselbe: Aufstehen um vier, ohne dass es als Nachtarbeit gilt. Dass dafür die Zustimmung der Mehrheit nötig ist, ist deshalb keine Formalie. Vor einer solchen Abstimmung lohnt es sich auszurechnen, wie viele Stunden im Jahr aus der Nachtzeit herausfallen würden.

Welche Grenzen gelten bei Nachtarbeit?

Bei Nachtarbeit darf die tägliche Arbeitszeit neun Stunden nicht überschreiten. Sie muss zudem, inklusive Pausen, innerhalb eines Zeitraums von zehn Stunden liegen.

Damit sind Zwölfstundenschichten in der Nacht nach der Grundregel nicht zulässig. Abweichungen sind nur über besondere Bewilligungen oder branchenspezifische Verordnungen möglich.

Hinzu kommt: Nachtarbeit ist grundsätzlich verboten und braucht eine Bewilligung. Erforderlich ist zudem das Einverständnis der betroffenen Arbeitnehmenden. Wer regelmässig nachts arbeitet, hat Anspruch auf arbeitsmedizinische Untersuchung auf Kosten des Arbeitgebers.

Welche Stunden lösen Zuschläge aus?

Zuschlagspflichtig sind nur die Stunden, die tatsächlich innerhalb der Nachtzeit liegen. Eine Schicht von 20 bis 2 Uhr bei einem Tagesrahmen bis 23 Uhr erzeugt drei Nachtstunden, nicht sechs.

Für die Unterscheidung zwischen Lohnzuschlag und Zeitzuschlag zählt dagegen die Zahl der Nächte, nicht die der Stunden. Unter 25 Nächten im Jahr gilt mindestens 25 Prozent Lohnzuschlag, ab 25 Nächten eine Ausgleichsruhezeit von 10 Prozent.

Beide Zählweisen laufen also nebeneinander: Nächte bestimmen die Art des Ausgleichs, Stunden dessen Höhe.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Für einzelne Branchen gelten Sonderverordnungen zum Arbeitsgesetz mit abweichenden Regeln zu Nachtarbeit und Arbeitszeitgrenzen. Ob und welche für Ihren Betrieb gilt, lässt sich nur im Einzelfall klären. Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

💬 Meine Einschätzung

Dass die Nachtzeit betrieblich verschiebbar ist, wissen die wenigsten — und es ist der Grund, warum Auskünfte zum Nachtzuschlag so oft auseinandergehen. Zwei Leute in derselben Branche können beide recht haben und trotzdem unterschiedliche Uhrzeiten nennen. Aus 17 Jahren Teamleitung in der Schweiz weiss ich: Die erste Frage bei jeder Zuschlagsdiskussion sollte lauten, wie der Tagesrahmen im Betrieb festgelegt ist. Steht er nirgends schriftlich, gilt der gesetzliche Standard von 6 bis 23 Uhr — und das ist dann auch die Grundlage, auf der abgerechnet werden muss.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Standard-Nachtzeit: 23 bis 6 Uhr, also sieben Stunden.
  • Verschiebbar innerhalb 5 bis 24 Uhr, nur mit Zustimmung der Mehrheit der Betroffenen.
  • Nachtarbeit ist bewilligungspflichtig und braucht das Einverständnis der Arbeitnehmenden.
  • Höchstens 9 Stunden Arbeitszeit innert 10 Stunden.
  • Zuschläge gelten nur für Stunden innerhalb der Nachtzeit, nicht für die ganze Schicht.

Häufige Fragen

Gilt 22 Uhr schon als Nacht?

Nur wenn der betriebliche Tagesrahmen entsprechend gelegt wurde. Nach dem gesetzlichen Standard beginnt die Nachtzeit um 23 Uhr.

Zählt die ganze Schicht als Nachtarbeit?

Nein. Zuschlagspflichtig sind die Stunden innerhalb der Nachtzeit. Für die Zählung der 25 Nächte zählt die Nacht dagegen als Ganzes.

Muss ich Nachtarbeit leisten?

Nachtarbeit erfordert das Einverständnis der betroffenen Person. Zusätzlich braucht der Betrieb eine Bewilligung.

Was ist, wenn mein Betrieb den Rahmen nie festgelegt hat?

Dann gilt der gesetzliche Standard von 6 bis 23 Uhr als Tages- und Abendarbeit.

Mehr dazu im Überblick: Nachtzuschlag in der Schweiz: Wann 25 Prozent, wann 10 Prozent Freizeit?.

Verwandte Fragen: Was bedeutet der Zeitzuschlag von 10 Prozent konkret? · Wie hoch ist der Sonntagszuschlag in der Schweiz?

Quellen

  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 10, 16 und 17a — Tagesarbeit, Nachtarbeit, Dauer
  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 17b — Zuschläge bei Nachtarbeit
  • SECO, Informationen zu Nacht- und Sonntagsarbeit, abgerufen im Oktober 2026
  • ch.ch, Sonntags- und Nachtarbeit

Zuletzt geprüft: 15. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.