Zuletzt aktualisiert am 24. October 2026
Zwischen zwei Einsätzen stehen mindestens elf aufeinanderfolgende Stunden Ruhe zu. Einmal pro Woche darf diese Ruhezeit auf acht Stunden verkürzt werden, sofern der Durchschnitt über zwei Wochen elf Stunden erreicht.
Die elfstündige Ruhezeit ist die härteste Grenze jeder Schichtplanung. Sie gilt zwischen Schichtende und nächstem Schichtbeginn, nicht zwischen Kalendertagen. Die Verkürzung auf acht Stunden ist einmal wöchentlich möglich, verlangt aber einen Zweiwochendurchschnitt von elf Stunden. Piketteinsätze dürfen die Ruhezeit unterbrechen; Ruhephasen unter vier Stunden sind nachzugewähren. Nach Sonntagsarbeit gelten mindestens 35 Stunden ununterbrochene Ruhezeit.
Was genau wird gemessen?
Gemessen wird die Zeit zwischen dem Ende eines Einsatzes und dem Beginn des nächsten. Massgebend sind die tatsächlichen Arbeitszeiten, nicht die Kalendertage.
Wer am Dienstag um 22 Uhr Schichtende hat und am Mittwoch um 9 Uhr wieder beginnt, hat elf Stunden Ruhe — die Grenze ist eingehalten. Beginnt die nächste Schicht um 6 Uhr, sind es acht Stunden, und das ist nur einmal pro Woche zulässig.
Die Ruhezeit muss zusammenhängend sein. Eine Aufteilung in mehrere Blöcke erfüllt die Vorgabe nicht.
Wie funktioniert die Verkürzung auf acht Stunden?
Für Erwachsene darf die Ruhezeit einmal pro Woche auf acht Stunden verkürzt werden. Bedingung ist, dass der Durchschnitt über zwei Wochen elf Stunden erreicht.
Das bedeutet in der Praxis: Eine verkürzte Ruhezeit muss durch längere Ruhezeiten an anderen Tagen ausgeglichen werden. Die Rechnung geht über zwei Wochen, nicht über eine.
Die Ausnahme ist als Ausnahme gemeint. Ein Plan, der jede Woche eine Achtstundenruhe vorsieht, nutzt sie nicht aus, sondern macht sie zum Normalfall — rechtlich zulässig, arbeitsmedizinisch fragwürdig.
Acht Stunden Ruhezeit klingen nach einer vollen Nacht und sind es nicht. Von der Zeit zwischen Schichtende und Schichtbeginn gehen Arbeitsweg, Essen und Einschlafzeit ab — bei einem halbstündigen Arbeitsweg bleiben realistisch sechs Stunden Schlaf. Deshalb steht in guten Plänen zwischen Spät- und Frühschicht ein freier Tag, auch wenn das Gesetz es nicht verlangt. Die Verkürzung ist für den Ausnahmefall gedacht, nicht als Planungswerkzeug zur Verdichtung.
Welche Schichtfolgen scheitern an der Ruhezeit?
Die kritische Folge ist Spät auf Früh. Spätschicht bis 22 Uhr und Frühschicht ab 6 Uhr ergeben acht Stunden — einmal wöchentlich zulässig, als Regelfall nicht.
Unkritisch ist die Vorwärtsrichtung. Frühschicht bis 14 Uhr und Spätschicht ab 14 Uhr am Folgetag ergeben 24 Stunden Ruhe. Spätschicht bis 22 Uhr und Nachtschicht ab 22 Uhr am Folgetag ebenso.
Kritisch wird es auch beim Rückwärtswechsel von der Nacht- in die Spätschicht: Nachtschicht bis 6 Uhr und Spätschicht ab 14 Uhr am selben Tag ergeben acht Stunden.
Diese Rechnung erklärt, warum Pläne mit Rückwärtsrotation mehr Freitage zwischen den Blöcken brauchen als vorwärts rotierende — und warum die Verordnung die Vorwärtsrotation zum Regelfall macht. In drei- und mehrschichtigen Systemen, in denen alle Schichten durchlaufen werden, ist sie nach Artikel 34 Absatz 4 Buchstabe b ArGV 1 vorgeschrieben; rückwärts darf nur rotiert werden, wenn die Mehrheit der Betroffenen das schriftlich verlangt.
Was passiert bei Piketteinsätzen?
Piketteinsätze dürfen die tägliche Ruhezeit unterbrechen. Erreicht eine Ruhephase keine vier zusammenhängenden Stunden, ist die fehlende Zeit nachzugewähren, bis insgesamt elf Stunden Ruhe zusammenkommen.
Nach dem letzten Einsatz stehen elf aufeinanderfolgende Stunden Ruhe zu, bevor die reguläre Arbeit wieder beginnt. Ein Einsatz um zwei Uhr nachts verschiebt damit den Arbeitsbeginn am Folgetag.
Mehr dazu im Beitrag Zählt Pikettdienst als Arbeitszeit?.
Was gilt nach Sonntagsarbeit?
Nach Sonntagsarbeit ist eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 35 Stunden zu gewähren. Das ist deutlich mehr als die tägliche Ruhezeit und entspricht etwa eineinhalb Tagen.
Zusätzlich greifen die Ausgleichsregeln: Bis fünf Stunden Sonntagsarbeit sind innert vier Wochen durch Freizeit auszugleichen, bei längeren Einsätzen steht ein ganzer Ersatzruhetag zu.
Für Jugendliche gelten strengere Ruhezeitvorschriften, ebenso für schwangere Arbeitnehmende und stillende Mütter. Branchenverordnungen können abweichen. Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
💬 Meine Einschätzung
Die Ruhezeitregel ist die einzige Vorschrift, bei der sich Gesetz und gute Planung fast vollständig decken. Wer sie einhält, baut automatisch bessere Pläne — nicht weil die elf Stunden magisch wären, sondern weil die Regel Schichtfolgen ausschliesst, die ohnehin niemand verkraftet. Aus 17 Jahren Teamleitung in der Schweiz würde ich sogar weitergehen: Die einmal wöchentlich erlaubte Verkürzung auf acht Stunden gehört aus meiner Sicht nicht ins Planungswerkzeug, sondern ist ein Notfallventil. Wer sie fest einplant, hat das Modell zu eng geschnitten und merkt es spätestens, wenn jemand ausfällt.
- 11 aufeinanderfolgende Stunden zwischen zwei Einsätzen.
- Einmal pro Woche 8 Stunden möglich, wenn der Zweiwochendurchschnitt 11 erreicht.
- Kritische Folgen: Spät auf Früh und Nacht auf Spät ergeben je 8 Stunden.
- Piketteinsätze unterbrechen die Ruhezeit; Phasen unter 4 Stunden sind nachzugewähren.
- Nach Sonntagsarbeit: mindestens 35 Stunden ununterbrochene Ruhezeit.
Häufige Fragen
Zählt der Arbeitsweg zur Ruhezeit?
Die Ruhezeit beginnt mit dem Arbeitsende und endet mit dem nächsten Arbeitsbeginn. Der Arbeitsweg liegt damit innerhalb der Ruhezeit und verkürzt die tatsächliche Erholung.
Darf die Ruhezeit in zwei Blöcke geteilt werden?
Nein. Die elf Stunden müssen zusammenhängend sein. Die einzige Ausnahme betrifft Unterbrechungen durch Piketteinsätze mit anschliessender Nachgewährung.
Was gilt bei einem Schichttausch unter Kollegen?
Auch ein freiwilliger Tausch muss die Ruhezeit einhalten. Die Vorschrift schützt die Gesundheit und steht nicht zur Disposition der Beteiligten.
Wie oft darf auf acht Stunden verkürzt werden?
Einmal pro Woche, und nur wenn der Durchschnitt über zwei Wochen elf Stunden erreicht.
Mehr dazu im Überblick: Arbeitszeit und Ruhezeit in der Schweiz: Was das Arbeitsgesetz vorschreibt.
Verwandte Fragen: Darf der Arbeitgeber das Schichtmodell einseitig ändern? · Wie lange im Voraus muss ein Schichtplan bekannt sein?
Ob ein ganzer Plan die Ruhezeiten einhält, zeigt der Schichtplan-Check.
Quellen
- Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 15a — tägliche Ruhezeit
- Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Artikel 19 Absatz 3 — Ruhezeit bei Piketteinsätzen
- Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 20 — Ruhezeit nach Sonntagsarbeit
- Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Artikel 34 — Schichtarbeit, Schichtdauer und Vorwärtsrotation
- SECO, Informationen zu Arbeits- und Ruhezeiten, abgerufen im Oktober 2026
Zuletzt geprüft: 19. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.


