Zuletzt aktualisiert am 24. October 2026
Ein Schichtplan entsteht in fünf Schritten: Betriebszeit festlegen, Schichtlagen definieren, Gruppenzahl berechnen, Muster bauen, Grenzen prüfen. Die Rechenwege dahinter sind einfach — entscheidend ist die Reihenfolge.
Die Gruppenzahl folgt aus den Besetzungsstunden pro Woche geteilt durch die vertragliche Arbeitszeit. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ergibt sich aus Nettostunden je Zyklus mal sieben geteilt durch die Zykluslänge — nie über Kalenderwochen gerechnet. Freie Wochenenden sind eine Planungsvorgabe, kein Restwert. Vor der Freigabe stehen vier Prüfungen an: Ruhezeit, Höchstarbeitszeit, Pausen und die Sechs-Wochen-Grenze für dieselbe Schicht.
In welcher Reihenfolge entsteht ein Plan?
Fünf Schritte, und die Reihenfolge ist nicht beliebig. Wer mit dem Muster beginnt statt mit der Betriebszeit, baut ein Modell, das zur Besetzung nicht passt.
- Betriebszeit festlegen. Werktags, sechs Tage oder durchgehend — daraus folgt die Mindestzahl der Lagen.
- Schichtlagen definieren. Start, Ende, Pausendauer. Daraus ergibt sich die Nettoarbeitszeit je Schicht.
- Gruppenzahl berechnen. Besetzungsstunden geteilt durch vertragliche Wochenarbeitszeit.
- Muster bauen. Die Folge aus Arbeits- und Freitagen für eine Gruppe über einen Zyklus.
- Grenzen prüfen. Ruhezeit, Höchstarbeitszeit, Pausen, Schichtwechsel.
Erst nach Schritt fünf lohnt die Feinarbeit an der Verteilung von Wochenenden und Ferien.
Wie berechnet man die Gruppenzahl?
Die Grundrechnung lautet: Besetzungsstunden pro Woche geteilt durch die vertragliche Wochenarbeitszeit, aufgerundet.
Ein durchgehender Betrieb braucht 168 Besetzungsstunden pro Woche und Arbeitsplatz. Bei 42 Vertragsstunden ergibt das vier Gruppen, bei 36 Stunden fünf. Ein Werktagsbetrieb rund um die Uhr kommt auf 120 Besetzungsstunden und damit auf drei Gruppen bei 40 Stunden.
Die Rechnung liefert das Minimum. Dazu kommen Ferien, Krankheit und — bei Nachtarbeit — die Ausgleichsruhezeit von zehn Prozent. Wer diese Stunden nicht einrechnet, plant eine Besetzung, die im ersten Krankheitsfall kippt.
Ein Praxisbeispiel: Das Praxismodell mit vier Gruppen und 28 Tagen Zyklus kommt auf 42,0 Stunden Durchschnitt und erzeugt rund 64 Stunden Ausgleichsruhezeit pro Person und Jahr. Bei vier Gruppen sind das etwa 32 zusätzliche Achtstundenschichten, die der Plan tragen muss.
Wie rechnet man die durchschnittliche Wochenarbeitszeit?
Nettostunden je Zyklus mal sieben, geteilt durch die Zykluslänge in Tagen. Niemals über Kalenderwochen rechnen — bei Zyklen, die kein Vielfaches von sieben sind, ergäbe das wandernde Werte.
Netto heisst: ohne unbezahlte Pausen. Eine Achtstundenschicht mit 30 Minuten unbezahlter Pause zählt mit 7,5 Stunden.
Beispielrechnung für das Muster Früh-Früh-Spät-Spät-Nacht-Nacht-frei-frei mit acht Stunden je Lage und 30 Minuten Pause: sechs Arbeitstage, 48 Stunden brutto, 45 Stunden netto, Zyklus acht Tage. Macht 45 geteilt durch 8 mal 7 gleich 39,4 Stunden im Durchschnitt.
Ein typischer Rechenfehler in selbstgebauten Plänen ist die Verwechslung von Brutto und Netto bei der Durchschnittsrechnung. Wer mit Anwesenheitszeiten rechnet, liegt bei acht Lagen pro Zyklus um vier Stunden daneben — und stellt am Jahresende fest, dass der Zeitsaldo wächst, obwohl der Plan auf dem Papier aufging. Die Pausendauer gehört deshalb in jede Modellbeschreibung, nicht nur in den Schichtplan.
Wie zählt man Nachtstunden und Nächte?
Zwei getrennte Grössen, die oft vermischt werden. Nachtstunden entscheiden über die Höhe des Ausgleichs, Nächte über dessen Art.
Nachtstunden sind die Minuten innerhalb des Nachtfensters, standardmässig 23 bis 6 Uhr. Eine Schicht von 22 bis 6 Uhr liegt mit sieben Stunden darin, nicht mit acht.
Nächte sind Kalendertage mit mindestens einer Nachtstunde. Diese Zahl entscheidet über 25 Prozent Lohnzuschlag gegenüber 10 Prozent Ausgleichsruhezeit.
Die Hochrechnung aufs Jahr: Nächte je Zyklus mal 365 geteilt durch die Zykluslänge. Bei zwei Nachtschichten in einem Achttagezyklus sind das 91 Nächte — klar über der Grenze von 25. Liegt das Ergebnis zwischen 23 und 27, lohnt eine genauere Betrachtung, weil die Grenze dort kippen kann.
Details dazu im Beitrag Nachtzuschlag in der Schweiz, rechnen lässt es sich mit dem Zuschlags-Rechner.
Welche Prüfungen stehen vor der Freigabe?
Vier Grenzen, die jeder Plan einhalten muss. Sie zu prüfen dauert Minuten, sie zu übersehen kostet einen Planungsdurchlauf.
| Prüfung | Grenze |
|---|---|
| Ruhezeit | 11 Stunden zwischen zwei Einsätzen, einmal wöchentlich 8 bei Zweiwochendurchschnitt von 11 |
| Höchstarbeitszeit | 45 oder 50 Stunden je Woche, je nach Betriebsart |
| Pausen | 15, 30 oder 60 Minuten bei mehr als 5,5, 7 oder 9 Stunden |
| Schichtwechsel | höchstens 6 aufeinanderfolgende Wochen in derselben Schicht |
Die kritische Stelle ist fast immer die Ruhezeit beim Wechsel von Spät auf Früh. Alle Grenzen samt Quellen stehen im Beitrag Arbeitszeit und Ruhezeit in der Schweiz.
Ein rechnerisch korrekter Plan ist nicht automatisch bewilligungsfähig. Nacht- und Sonntagsarbeit brauchen eine Bewilligung, und Gesamtarbeitsverträge können zusätzliche Vorgaben enthalten. Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
Welche Werkzeuge helfen?
Für die Grundrechnungen reicht eine Tabellenkalkulation. Sinnvoll sind vier Blätter: Schichtlagen mit Zeiten und Pausen, Muster je Gruppe, Kennzahlen mit den oben genannten Formeln, und ein Kalenderblatt, das aus Muster und Startdatum die konkreten Tage erzeugt. Eine fertige Vorlage mit diesen Blättern und allen Formeln steht unter Schichtplan in Excel: Wie baut man ihn auf? zum Herunterladen bereit. Wer nur wissen will, welche Schicht an welchem Tag ansteht, nimmt den Schichtkalender mit Export in den Handykalender.
Für die Zuschlagsrechnung steht der Zuschlags-Rechner Schweiz bereit — er bildet die gesetzlichen Mindestansätze für Nacht- und Sonntagsarbeit ab.
Für den Modellvergleich hilft die Übersicht Schichtmodelle im Überblick mit 37 Einträgen samt Zyklus, Gruppenzahl und Nachtanteil.
💬 Meine Einschätzung
Die Software ist beim Planbau selten das Problem. Nach 17 Jahren Teamleitung in der Schweiz, in denen ich selbst Schichtpläne erstellt habe, sehe ich das Schwierige nicht in der Rechnung. Schwierig ist die Entscheidung, welche Grösse Vorrang hat. Wer zuerst festlegt, wie viele Wochenenden frei bleiben sollen, und den Plan darum herum baut, bekommt ein Modell, das die Leute mittragen. Wer mit dem Besetzungsbedarf anfängt und die Wochenenden als Rest behandelt, bekommt rechnerisch dasselbe Ergebnis und praktisch ein anderes.
- Gruppenzahl = Besetzungsstunden pro Woche geteilt durch vertragliche Arbeitszeit, aufgerundet.
- Durchgehender Betrieb: 168 Besetzungsstunden pro Woche und Arbeitsplatz.
- Ø Wochenarbeitszeit = Nettostunden je Zyklus × 7 ÷ Zykluslänge.
- Nachtstunden bestimmen die Höhe des Ausgleichs, Nächte dessen Art.
- Vier Pflichtprüfungen: Ruhezeit, Höchstarbeitszeit, Pausen, Sechs-Wochen-Grenze.
Ein fertiges Muster prüft der Schichtplan-Check gegen die wichtigsten Regeln des Arbeitsgesetzes.
Grundmuster nach eigenen Vorgaben erzeugt der Schichtplan-Generator.
Zwei fertige Muster als Ausgangspunkt
Statt bei null anzufangen, lohnt sich ein Blick auf die Musterpläne des SECO.
Musterplan Nr. 301 des SECO (Wegleitung zum Arbeitsgesetz, Anhang 5), originalgetreu übernommen. Musterplan Nr. 403 des SECO (Wegleitung zum Arbeitsgesetz, Anhang 5), originalgetreu übernommen.SECO 301: Dreischicht an fünf Tagen
Woche 1 Woche 2 Woche 3 Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So Gruppe A F F F F F · · S S S S S · · N N N N N · · Gruppe B S S S S S · · N N N N N · · F F F F F · · Gruppe C N N N N N · · F F F F F · · S S S S S · ·
SECO 403: Rundumbetrieb mit kurzer Schichtfolge
Woche 1 Woche 2 Woche 3 Woche 4 Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So Mo Di Mi Do Fr Sa So Gruppe A F F S S N N N · · F F S S S N N · · F F F S S N N · · · Gruppe B S S N N · · · F F S S N N N · · F F S S S N N · · F F F Gruppe C N N · · F F F S S N N · · · F F S S N N N · · F F S S S Gruppe D · · F F S S S N N · · F F F S S N N · · · F F S S N N N
Alle Modelle mit Kennzahlen und Prüfung: Schichtplan-Vorlagen.
Häufige Fragen
Mit welcher Zykluslänge sollte man planen?
Die Zykluslänge ergibt sich aus Gruppenzahl und Rotationsrhythmus. Vier Gruppen mit wöchentlichem Wechsel ergeben 28 Tage, fünf Gruppen 35. Kürzere Zyklen mit zwei bis drei Tagen je Lage sind arbeitsmedizinisch günstiger.
Wie plant man Ferien ein?
Als eigene Grösse vor der Feinverteilung. Bei vier Gruppen und fünf Wochen Ferien fehlt rechnerisch fast zehn Prozent der Kapazität — das braucht entweder Springer oder eine zusätzliche Gruppe.
Muss die Ausgleichsruhezeit im Plan stehen?
Sie muss innerhalb eines Jahres gewährt werden. Praktisch heisst das: eingeplant, nicht am Jahresende verteilt, weil dann niemand die Abwesenheit auffangen kann.
Wie prüft man einen bestehenden Plan?
Mit denselben vier Prüfungen. Am schnellsten findet man Fehler, indem man alle Übergänge zwischen zwei Einsätzen auf die Ruhezeit prüft.
Vertiefung zu einzelnen Fragen
- Wie berechnet man die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Schichtplan?
- Wie plant man freie Wochenenden fair ein?
- Schichtplan in Excel: Wie baut man ihn auf?
23 Schichtmodelle als farbige Pläne, darunter neun SECO-Musterpläne, mit Kennzahlen und Prüfung nach Schweizer Arbeitsgesetz: Schichtplan-Vorlagen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 9, 15, 15a, 25 — Höchstarbeitszeit, Pausen, Ruhezeit, Schichtwechsel
- Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 17b — Zuschläge bei Nachtarbeit
- SECO, Informationen zu Arbeits- und Ruhezeiten, abgerufen im Oktober 2026
- Eigene Auswertung von 39 Schichtplänen aus den Jahren 2023 bis 2025
Zuletzt geprüft: 19. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.


