Wie plant man freie Wochenenden fair ein?

Zuletzt aktualisiert am 24. October 2026

Freie Wochenenden entstehen nicht von selbst, sie werden vorgegeben. Wer die Zahl vor dem Planbau festlegt und das Muster darum herum konstruiert, bekommt ein anderes Ergebnis als wer sie als Restgrösse behandelt.

📋 Kurz zusammengefasst

Ein Wochenende zählt nur dann als frei, wenn Samstag und Sonntag beide ohne Einsatz sind. Die Zahl der freien Wochenenden folgt aus Gruppenzahl und Wochenendbesetzung: Je weniger Lagen am Wochenende laufen, desto mehr Gruppen bleiben frei. Zwölfstundenlagen am Wochenende halbieren die Zahl der benötigten Gruppen und schaffen dadurch ganze freie Wochenenden statt vieler halber. Faire Verteilung verlangt eine getrennte Zählung von Samstag, Sonntag und Feiertagen.

Was zählt als freies Wochenende?

Nur ein Wochenende, an dem Samstag und Sonntag beide vollständig frei sind. Ein freier Samstag mit Sonntagsdienst ist kein freies Wochenende, sondern ein freier Tag.

Diese Unterscheidung ist nicht pedantisch, sondern praktisch. Ein ganzes freies Wochenende lässt sich verplanen — Besuch, Ausflug, Familientermin. Ein einzelner freier Tag zwischen zwei Diensten nicht.

Wer Pläne vergleicht, sollte deshalb immer nach ganzen freien Wochenenden fragen. Viele Modellbeschreibungen nennen stattdessen die Zahl der freien Tage, und die sieht in jedem Modell besser aus.

Wovon hängt die Zahl ab?

Von zwei Grössen: der Wochenendbesetzung und der Gruppenzahl.

Läuft der Betrieb am Wochenende mit drei Achtstundenlagen, sind pro Wochenende drei Gruppen im Einsatz. Bei vier Gruppen bleibt eine frei — also ein freies Wochenende alle vier Wochen.

Läuft der Betrieb mit zwei Zwölfstundenlagen, sind nur zwei Gruppen im Einsatz. Bei vier Gruppen bleiben zwei frei — also zwei freie Wochenenden alle vier Wochen, doppelt so viele.

Genau das ist der Hebel: Nicht die Gruppenzahl allein entscheidet, sondern wie viele Gruppen am Wochenende gebunden sind.

💡 Expert Insight

Der Wechsel auf Zwölfstundenlagen am Wochenende ist die wirksamste Stellschraube für freie Wochenenden — und sie kostet nichts an Besetzung. Dieselbe Betriebszeit wird mit zwei statt drei Gruppen abgedeckt, weil längere Schichten weniger Ablösungen brauchen. Der Preis sind härtere einzelne Wochenendtage. Für viele wiegt ein ganzes freies Wochenende mehr als zwei kürzere Dienste, die beide Tage anschneiden — das sollte vor der Entscheidung in der Belegschaft erfragt werden.

Ein Rechenbeispiel aus der Praxis

Das Praxismodell mit vier Gruppen und 28 Tagen Zyklus zeigt den Effekt in Zahlen. Werktags laufen Früh, Mittag und Nacht, am Wochenende zwei Zwölfstundenlagen.

Praxismodell: 4 Gruppen, 28 Tage grafisch

Real gefahrener Plan, anonymisiert: werktags Früh 6–14, Mittag 14–23 und Nacht 23–6 Uhr, am Wochenende Früh und Nacht zu je zwölf Stunden.

  • MMittag 14–23
  • NNacht 23–06
  • N12Nacht 12 h 18–06
  • FFrüh 06–14
  • F12Früh 12 h 06–18
  • ·frei

Nachtschichten stehen am Tag ihres Beginns: Die Nacht von Montag auf Dienstag steht am Montag.

Eine Gruppe, Woche für Woche

MoDiMiDoFrSaSo
Woche W1MMMMM··
Woche W2NNNNNN12N12
Woche W3··FFFF12F12
Woche W4FF·····

Kennzahlen aus diesem Muster berechnet, nicht geschätzt — Methodik.


Vier Gruppen mit Zwölfstunden-Wochenende

Berechnet: vier Gruppen, werktags Früh, Spät und Nacht zu acht Stunden, am Wochenende zwei Zwölfstundenlagen — zwei von vier Wochenenden ganz frei.

Woche 1Woche 2Woche 3Woche 4
MoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSoMoDiMiDoFrSaSo
Gruppe ANNN·NN12N12···FF··SSSSS··FFFN·F12F12
Gruppe BFFFN·F12F12NNN·NN12N12···FF··SSSSS··
Gruppe CSSSSS··FFFN·F12F12NNN·NN12N12···FF··
Gruppe D···FF··SSSSS··FFFN·F12F12NNN·NN12N12
Ø Wochenarbeitszeit
42,0 Stunden brutto
Gruppen
4
Personalstärke
werktags je 1 Früh, Spät, Nacht; am Wochenende je 1 Früh 12 h, Nacht 12 h
Zyklus
28 Tage
  • Ruhezeit überall mindestens 11 Stunden (kürzeste 12 h)
  • Vorwärtsrotation eingehalten (Früh → Spät → Nacht)
  • spätestens nach 5 Tagen mindestens 24 Stunden Ruhe (ununterbrochener Betrieb: spätestens nach sieben Tagen)
  • höchstens 3 Nächte in Folge (Empfehlung: höchstens 4)
  • höchste Kalenderwoche 50 Stunden ohne Pausen — über 45 Stunden; im ununterbrochenen Betrieb zählt der Durchschnitt über 16 Wochen
  • rund 39 freie Sonntage im Jahr (Ruhetag 6–16 Uhr) — mindestens 26 im ununterbrochenen Betrieb
  • Zwölfstundenschichten nur zwischen Freitagabend und Montagmorgen — im ununterbrochenen Betrieb zulässig, mit zwei Stunden Pause und ärztlicher Untersuchung

Wochenansicht, Kennzahlen und Jahreskalender →

Ergebnis: zwei von vier Wochenenden je Zyklus ohne Dienst am Samstag und Sonntag, hochgerechnet 26 im Jahr. Beide sind nach der Definition oben vollständig frei: In der ersten Woche endet die Mittagschicht am Freitag um 23 Uhr, und die nächste Schicht beginnt erst am Montag um 23 Uhr; in der vierten Woche liegt das Wochenende mitten in sechs freien Tagen. Mit drei Achtstundenlagen am Wochenende bliebe bei gleicher Gruppenzahl nur ein Wochenende je Zyklus ohne Wochenenddienst.

Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 42,0 Stunden, der Nachtanteil bei 29,2 Prozent. Die Umstellung am Wochenende kostet also keine zusätzliche Arbeitszeit, sie verteilt sie anders.

Wie verteilt man fair?

Drei Regeln, die den grössten Teil der Konflikte vermeiden.

Getrennt zählen. Samstage, Sonntage und Feiertage einzeln führen. Wer nur Wochenenden zählt, übersieht, dass ein Sonntagsdienst schwerer wiegt als ein Samstagsdienst.

Über das Jahr ausgleichen, nicht über den Zyklus. Ein Zyklus ist zu kurz für Gerechtigkeit. Über zwölf Monate lässt sich jede Ungleichheit ausgleichen, über vier Wochen nicht.

Feiertage separat rotieren. Wer dieses Jahr an Weihnachten arbeitet, hat nächstes Jahr Vorrang auf frei. Diese Liste gehört geführt, nicht erinnert.

Die Rotation selbst ist weniger wichtig als die Nachvollziehbarkeit. Eine Liste, die alle einsehen können, erzeugt weniger Streit als ein perfekter, aber undurchsichtiger Algorithmus.

Was sagt das Arbeitsgesetz dazu?

Eine Mindestzahl freier Wochenenden schreibt das Arbeitsgesetz nicht vor. Es regelt die Folgen von Sonntagsarbeit, nicht deren Häufigkeit.

Relevant sind drei Regeln: Bis fünf Stunden Sonntagsarbeit sind innert vier Wochen durch Freizeit auszugleichen, bei längeren Einsätzen steht ein ganzer Ersatzruhetag zu, und nach Sonntagsarbeit gilt eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens 35 Stunden.

Hinzu kommt das Mitwirkungsrecht: Nach Artikel 69 ArGV 1 sollen die Arbeitnehmenden bei der Planung der Arbeitszeiten einbezogen werden. Die Verteilung der Wochenenden ist der naheliegendste Punkt, an dem diese Mitwirkung konkret wird.

⚠️ Wichtiger Hinweis

Gesamtarbeitsverträge enthalten teilweise Vorgaben zur Mindestzahl freier Wochenenden oder zur Wochenendrotation. Sie gehen dem hier Beschriebenen vor. Stand: Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

💬 Meine Einschätzung

Dies ist für mich die wichtigste Frage der ganzen Schichtplanung, und sie wird am häufigsten übersprungen. In 17 Jahren Teamleitung in der Schweiz habe ich Pläne nach einer einzigen Vorgabe gebaut: möglichst viele ganze freie Wochenenden für die Familie. Alles andere — Rotationsrichtung, Blocklänge, Zykluslänge — hat sich danach gerichtet, nicht umgekehrt. Das Ziel war dabei nie der arbeitsmedizinisch perfekte Plan, sondern einer, den die Leute mittragen können. Wer die Wochenenden als Restgrösse behandelt, bekommt rechnerisch dasselbe Modell und menschlich ein anderes. Die Zahl gehört an den Anfang der Planung, nicht ans Ende.

✓ Das Wichtigste in Kürze

  • Frei ist ein Wochenende nur, wenn Samstag und Sonntag beide ohne Einsatz sind.
  • Entscheidend ist, wie viele Gruppen am Wochenende gebunden sind — nicht die Gruppenzahl allein.
  • Zwölfstundenlagen am Wochenende verdoppeln die Zahl der Wochenenden ohne Wochenenddienst bei gleicher Besetzung.
  • Samstage, Sonntage und Feiertage getrennt zählen und über das Jahr ausgleichen.
  • Das Arbeitsgesetz nennt keine Mindestzahl, regelt aber Ausgleich und Ersatzruhetag.

Wie viele freie Wochenenden bei der eigenen Besetzung möglich sind, zeigt der Schichtplan-Generator mit der Priorität „möglichst viele freie Wochenenden“.

Häufige Fragen

Wie viele freie Wochenenden sind üblich?

Das hängt am Modell. Bei vier Gruppen mit Zwölfstundenlagen am Wochenende sind rund 26 Wochenenden ohne Wochenenddienst erreichbar, bei drei Achtstundenlagen etwa die Hälfte. Wie viele davon bis Montag ganz frei sind, hängt am Beginn der ersten Nachtschicht. Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht.

Schreibt das Gesetz freie Wochenenden vor?

Nein. Es regelt den Ausgleich für Sonntagsarbeit und die Ruhezeit danach, nicht die Häufigkeit freier Wochenenden.

Wie geht man mit Feiertagen um?

Getrennt rotieren und die Liste führen. Wer an einem bestimmten Feiertag arbeitet, hat im Folgejahr Vorrang auf frei.

Was tun bei ungleicher Verteilung?

Zuerst die Zahlen zusammentragen — Samstage, Sonntage und Feiertage je Person über zwölf Monate. Mit diesen Zahlen lässt sich die Verteilung im Betrieb oder über die Arbeitnehmervertretung ansprechen.

Mehr dazu im Überblick: Schichtplan selbst erstellen: Werkzeuge, Vorlagen und Rechenwege.

Verwandte Frage: Wie berechnet man die durchschnittliche Wochenarbeitszeit im Schichtplan?

Quellen

  • Arbeitsgesetz (ArG, SR 822.11), Artikel 18, 19, 20 — Sonntagsarbeit, Ausgleich, Ersatzruhetag
  • Verordnung 1 zum Arbeitsgesetz (ArGV 1), Artikel 69 — Mitwirkung bei der Arbeitszeitplanung
  • SECO, Informationen zu Nacht- und Sonntagsarbeit, abgerufen im Oktober 2026
  • Eigene Auswertung eines Betriebsplans mit vier Gruppen über 28 Tage, 2023 bis 2025

Zuletzt geprüft: 19. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.